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  Ausweichsitz NRW
 
 

 Nordrhein Westfalen

Wir begeben uns in das Jahr 1972. Meine Großeltern väterlicherseits haben das Rentenalter erreicht. Großvater Karl wurde pensionierter Eisenbahner und konnte von der damaligen Bundesbahn ein älteres Beamtenhaus in der Eisenbahnersiedlung Jünkerrath in der Eifel erwerben. Eines Sonntags fuhren wir die Großeltern in ihrem neuen Domizil besuchen. Da die BAB 1 bis Blankenheim noch in Planung war, führte uns der Weg in unserem Renault 4 nur über Landstraßen und auch durch das Eifeldorf Urft. Die Hanglage des Ortes mit der Talstraße, wodurch sich auch der Gillesbach schlängelt und später in Mauern gezwängt in die Urft mündet, gefiel meinem Vater so gut, daß er kurz darauf dort ein Grundstück kaufte. Welches Staatsgeheimnis Urft zu verbergen hatte, ahnten wir bis zum Bau unseres Ferienhauses im Jahre 1975 nicht. Wir wunderten uns auf den ersten Spaziergängen über ein Einfamilienhaus, etwas abseits, allein am Rande des Waldes. Am Berghang unmittelbar neben dem Haus, war eine Gittertür mit Klingel- und Sprechanlage, hinter der sich ein überdachter Treppenaufgang befand, der sich irgendwo im Waldboden verlief. Mehr war nicht zu erkennen. Fragen im Ort, nach dem, was da sei, wurden nur mit "Bunker" beantwortet, mehr aber auch nicht. Ende der siebziger Jahre muß es wohl gewesen sein, da wurde die Gittertür mittels Doppelgarage getarnt und das Gelände großzügig eingezäunt. Die Anlage spielte für die ortsansässige Bevölkerung kaum eine Rolle und fiel, was sie ja auch sollte, nicht weiter auf. Lediglich das benachbarte Kinderheim bekam die eingelagterten Lebensmittel kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit und mancher Gastwirt vor Ort freute sich auch gelegentlich über den spät abendlichen Besuch der Bunkerbesatzung.

Unbewußt in Konflikt mit der Anlage kamen meine Eltern mit Stellung des Bauantrages für unser Ferienhaus Ende 1974 beim Bauamt der Gemeinde Kall. Gute eineinhalb Jahre dauerte es bis zur Erteilung der Baugenehmigung. Mehrmaliges nachboren beim Bauamt, brachte außer Vertröstungen auch nichts. Meine Eltern staunten dann nicht schlecht, als sich plötzlich ein Bundesdeutscher Geheimdienst, BND oder MAD, da will sich mein Vater nicht mehr festlegen, schriftlich an sie wendeten. Sie mußten einen Fragebogen zur Person und Grund des Bauvorhabens ausfüllen, wurden zur Verschwiegenheit angehalten und durften keine Kopien der Schreiben anfertigen. Man wollte wissen, wer sich in unmittelbarer Nähe des Ausweichsitzes niederließ. Nun ja, wenn jemand mit dem typisch eifeler Namen "Staschko", keine 300 m vom Bunker entfernt, einen Bauantrag stellte, wurde man in der damaligen Zeit etwas flattrig und nervös. Wie man heute weiß zu Recht, denn in einem NVA-Schulungsfilm mit dem Titel "Aktion Faustfand" kannte man die Anlage sehr gut.

Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit die Anlage zu besichtigen, die heute noch weitestgehend komplett und funktionfähig vorhanden ist. Sie wurde ihn einem Testlauf vor ein paar Wochen Besuchern geöffnet, um die Auswirkungen von regelmäßigen Führungen auf das Bunkerklima zu testen.

 
Die offizielle Eröffnung durch den Innenminister des Landes NRW Ingo Wolf fand im Rahmen einer Feierstunde am 15.08.2009 statt.
 

Die neue Homepage der Anlage:

Dokumentationsstätte Ausweichsitz NRW
 


 

Einen Rundgang durch die Anlage hier klicken: AUSWEICHSITZ FOTOS



Filmbericht vom ZDF 2009:




Und so wurde Atomkrieg gespielt:


 
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